Die Diagnose der Fetalen Alkohol-Spektrumstörung (FASD) ist aus mehreren Gründen schwer zu stellen:

  • Nur 20% – 30% der PatientInnen weisen die typischen kraniofazialen Fehlbildungen (Gesichtsmerkmale) auf: In den meisten Fällen handelt es sich bei FASD eine nicht sichtbare Behinderung. Die Betroffenen zeigen beispielsweise deutliche Verhaltensauffälligkeiten, doch kaum jemand denkt an die eigentliche Ursache des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft. Häufig werden stattdessen andere Störungsbilder wie ADHS diagnostiziert.
  • Es gibt kein eindeutig spezifisches, neuropsychiatrisches Profil, und kein einzelnes spezifisches Symptom, das eine Diagnose beweisen würde.
  • FASD-betroffene Kinder wachsen häufig in Adoptiv- und Pflegefamilien auf. Oftmals lassen sich aus biographischen Daten und Akten des Kindes keine ausreichenden Informationen mehr zum mütterlichen Alkoholkonsum finden. Zudem stellt mütterlicher Alkoholkonsum nach wie vor ein TABU-Thema dar, über das nicht gesprochen wird, und das mit Schuld und Scham behaftet ist, denn keine werdende Mutter schädigt absichtlich ihr Kind. Auch der Umstand, dass immer noch nicht ausreichend bekannt ist, dass auch kleinste Mengen an Alkohol bereits schädigend sein können, erschwert die korrekte Diagnosestellung.
  • Die diagnostischen Kenntnisse der Ärzte, bezogen auf das spezielle Bild von FASD, sind oft nicht ausreichend.

Auch wenn die Diagnosestellung nicht leicht ist, und in vielen Fällen die Angst vor einer Stigmatisierung des betroffenen Kindes und Jugendlichen vorherrschen kann, so bringt sie doch klare Vorteile:

  • Verhalten und Schwierigkeiten können besser eingeordnet werden, und den Erwartungsdruck senken. Familien und Betroffene erfahren hierdurch häufig eine Entlastung, Unterstützung und Fördermöglichkeiten können adäquater eingeleitet werden.
  • Chronische Überforderung kann durch Anpassung der Umwelt und eine geeignete Haltung dem Kind gegenüber vermieden werden.
  • Das Risiko für Sekundärerkrankungen kann abgemildert werden.

Zur Diagnosestellung wird international der von Susan Astley 2004 entwickelte 4-Digit-Diagnostic Code verwendet. In Deutschland kommt die im Jahr 2012 entwickelte, und im Jahr 2016 ergänzte S3-Leitlinie zur Anwendung. Aufgrund der Komplexität des Störungsbildes benötigt es immer ein multiprofessionelles Team, um eine Diagnose fachgerecht stellen zu können.

Diagnosestellung in Österreich:

In Wien arbeitet seit Jänner 2019 ein Kooperationsteam aus Facharzt, Psychologin und Krankenschwester im Bereich der FASD-Diagnostik – unseres Wissens nach das bisher einzige Team in Österreich, das nach den oben genannten international gültigen Kriterien vorgeht.

  • Externes Kooperationsteam Diagnostik:
    – Dr. Klaus Vavrik, Facharzt für Kinder- & Jugendheilkunde, und Kinder- & Jugendpsychiatrie www.mediclass.at
    – Mag. Stephanie Pfeifer, Klinische- und Gesundheitspsychologin www.psychologin-pfeifer.online
    – Katarzyna Nahrebecka, DGKS, FASD-Erzieherin und SI- Förderin

Diagnosestellung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Es sind mehrere Termine notwendig, zu denen – falls vorhanden – relevante Vorbefunde und Zeugnisse, der Mutter-Kind-Pass, sowie Fotos aus der (frühen) Kindheit mitzubringen sind.

Die FASD-Hilfe Austria bietet selbst keine Diagnostik an. Bei Interesse erkundigen Sie sich bitte direkt bei oben genannten Personen. Anmeldungen möglich unter: E-Mail an fasd-diagnostik@gmx.at, oder telefonisch unter 00 43 6505544301.

Sollten Sie als Arzt oder Fachpersonal ebenfalls diagnostisch tätig sein, und Interesse haben, auf unserer Seite gelistet zu werden, dann sprechen Sie uns bitte an. Wir sind um Ergänzungen bemüht. 

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